Glas oder Plastik?

In letzter Zeit erreichen uns viele Anfragen bezüglich unserer Verpackungswahl. Unsere Body Scrubs sind in Kunststoffflaschen und -tiegel verpackt. Viele von euch sehen dies eher kritisch und wir hören oft: "Ihr produziert Naturkosmetik, wie könnt ihr diese in Kunststoff verpacken?". Daher möchte ich euch in diesem Beitrag erörtern warum wir auf Kunststoff zurück greifen

1. Sicherheit

Ein wichtiger Aspekt für unsere Entscheidung war das Thema Sicherheit. Unser Körperpeeling ist in erster Linie ein Duschprodukt und wird auch in der Dusche angewandt. Gerade wenn wir nass sind ist ein Glas schnell aus der Hand gerutscht und sollte es in der Dusche zerbrechen kann das schlimme Folgen haben. Vor allem in Haushalten mit Kleinkindern fliegt gerne mal etwas in der Dusche runter und unsere Produkte sollen kein Sicherheitsrisiko darstellen.

Ist Glas nicht die bessere Lösung?

Glas ist luftundurchlässig, sehr gut recycelbar und kann als natürliches Material problemlos entsorgt werden. Es stellt für einige PureBee Produkte, zum Beispiel für unsere Cremehonige, ein geeignetes Verpackungsmaterial dar. Für Produkte mit festerer Konsistenz, wie unseren Body Scrub, sind Glasverpackungen jedoch nur bedingt geeignet, da sich die Entnahme zum Beispiel in der Flasche schwierig gestalten kann.

2. Nachhaltigkeit

Viele von uns sind mittlerweile dazu trainiert: Plastik ist konsequent zu vermeiden! Und ich glaube, das ist (im Großen und Ganzen betrachtet) etwas sehr positives – denn Plastik zu sparen, ist in Anbetracht der Müllberge, die wir als Menschheit bereits fabriziert und die wir stetig weiter wachsen lassen, eine gute Idee.

Vielen ist jedoch nicht klar, dass es unter Umständen auch eine andere Perspektive geben könnte: diejenige der Produzenten, gerade der kleinen. Denn obwohl es auf den ersten Blick so scheinen mag, dass wir uns mit der Plastikverpackung überhaupt keine Gedanken um Ressourcenschonung, CO2-Fußabdrücke und zukünftige Generationen zu machen scheinen, ist das eben manchmal nur die halbe Wahrheit. Nämlich die, die man von außen sieht – oder gerne sehen möchte. Aber manchmal ist Plastik eben doch nicht nur die ökonomischere, sondern eben auch die ökologischere Lösung.

Ein paar Gründe für Plastik und gegen Glas

  • Die Produktion: Für die Herstellung von Glas wird enorm viel Energie benötigt. Diese muss dann im Verbrauch durch eine lange Nutzung wieder reingeholt werden. Ökologisch gesehen ist die Produktion von Glas zu Beginn also immer ein Minusgeschäft. Vergessen werden darf außerdem nicht, dass Glas auch aus Rohstoffen (Sand) gewonnen wird und dieser ist auch nicht unendlich vorhanden.
  • Die Reinigung: "Aber warum führt ihr dann kein Pfandsystem ein?" werden wir häufig gefragt. So einfach ist dies allerdings nicht. Der Reinigungsaufwand um benutzte Glasbehälter wieder fit für neue Kosmetika zu machen ist sehr hoch und müsste in die Umweltbilanz eingerechnet werden. Es verbraucht viel Energie und vor allem Wasser.
  • Die Akzeptanz: Wir bieten unseren Kunden ein Pfandsystem an. Allerdings fordert dies die Mitarbeit der Kunden. Unser Hauptvertriebskanal ist online und die wenigstens Kunden sind bereit benutze Gläser und Tiegel wieder zurück zu schicken, damit sie erneut gefüllt werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass selbst bei den Honiggläsern, für die wir auf Märkten ein Pfandsystem führen, nur die wenigsten den Weg zu uns zurück finden und das obwohl wir Stammkunden haben die immer wieder bei uns kaufen. Unseren Honig bieten wir daher bereits im Nachfüllbeutel an, in der Dusche ist die Umgebung jedoch zu feucht und der Beutel dafür nicht geeignet.
  • Der Transport: Glas ist wesentlich schwerer als Plastik. Der Transport benötigt daher mehr Energie und der CO2-Abdruck von Glas pro Gramm ist geringer als der von Plastik. Ganz konkret heißt dass, dass wir unseren Body Scrub Produkt beispielsweise in eine 300 Gramm schwere Glasverpackung abfüllen könnten – oder eben in eine 20 Gramm schwere Kunststoffverpackung.
  • Die Wiederverwertung: Da es sich gerade bei den online verkauften Body Scrubs um Einwegglas handeln würde, müsste das Glas nach dem Gebrauch wieder eingeschmolzen werden – und das funktioniert in der Regel bei Temperaturen um die 1000ºC, was ebenfalls nicht besonders umweltfreundlich ist und viel CO2 verursacht.

3. Warum kein Aluminium?

Aluminium war lange ein sehr gutes Material, um Produkte mit besonders sensiblen natürlichen Inhaltsstoffen zu schützen. Aluminiumtuben werden traditionell für Arzneimittel, Kosmetikprodukte und Lebensmittel eingesetzt. Für Tuben kann aber leider kein recyceltes Aluminium verwendet werden, da es dafür zu spröde ist. Die Gewinnung von neuem Aluminium verursacht grosse Umweltschäden, für die es bis heute noch keine gute Lösung gibt.

Deshalb möchten wir auf den Einsatz von Aluminium verzichten.

4. Und was ist mit Bioplastik?

Die Wunderwaffe gegen die Vermüllung der Weltmeere! Oder doch nicht? Das grüne Image liefert Biokunststoff gleich mit, weil der Wunsch der Kunden nach einem Öko-Plastik sehr groß ist. Allerdings sind diese Kunststoffe noch nicht komplett ausgereift und sicherlich nicht das Gelbe vom Ei. Biokunststoffe sind eine neuartige Entwicklung, die uns wirklich begeistert. Wir haben hohe Anforderungen an Biokunststoffe: Sie dürfen nachweislich keine negative Wirkung auf die Lebensmittelproduktion haben, und dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) enthalten. Ausserdem müssen sie sich gut recyceln lassen und es darf keine Abforstung für deren Produktion stattfinden. Gute Lösungen, die all diese Kriterien erfüllen, stehen bislang nicht am Markt zur Verfügung.

Drei große Nachteile von Bioplastik:

  • Es wird in der Regel aus Mais bzw. aus Maisstärke gewonnen. Und hier liegt ein großes Problem: Damit wir unser Gewissen beruhigen können verwenden wir Grundnahrungsmittel zur Kunststoffherstellung. Die Fläche, die für die Kultivierung von Maispflanzen zur Bioplastikherstellung verwendet wird, könnte viele Menschen ernähren. Außerdem werden Lebensmittelspekulation und Monokultur-Anbau dadurch gefördert.
  • Bioplastik zersetzt sich nicht schnell genug. Eine Folie aus Bioplastik benötigt bis zu 12 Wochen bis sie sich vollkommen zersetzt hat. Ein Tiegel oder eine Flasche würde dementsprechend länger benötigen. Wer nicht gerade mit einem Garten und Komposter gesegnet ist wird auch den Biomüll im Hausmüll entsorgen. In den Müllsortierungsanlagen ist für die Zersetzung von biologischem Abfalls allerdings eine Zeitspanne von höchstens 10 Wochen veranschlagt. Daher wird das Bioplastik aussortiert und der “energetischen Verwertung” zugeführt. Im Klartext bedeutet dies, dass auch das Bioplastik am Ende verbrannt wird.
  • Für kleine Unternehmen ist Bioplastik noch nicht wirtschaftlich. Auch die Wirtschaftlichkeit von Bioplastik möchte ich in diesem Punkt ansprechen. Nicht nur ist das Material teurer, als konventioneller Kunststoff es ist mit Mindestabnahmen von 50.000 Behältern und mehr für kleine Unternehmen, wie wir es sind, quasi unerschwinglich.

Was ist nun die Lösung?

Eine wirklich befriedigende Lösung gibt es für dieses Thema leider nicht. Die eierlegende Wollmilchsau der Verpackungen ist noch nicht erfunden und es wird sie wohl auch so schnell nicht geben. Wir ermuntern unsere Kunden immer dazu unsere Tiegel und Flaschen zu "recyceln". Sie lassen sich einfach reinigen und gerade die Tiegel eignen sich hervorragend dazu Kleinteile zu verstauen oder sie mit anderen Dingen wiederzubefüllen. Oder nehm an unseren Programm RETURN+RECYLE teil und schickt uns eure gebrauchten Behälter zurück und bekommt als Dankeschön einen Gutschein für euren nächsten Einkauf.